Charly Kowalczyk

Aktuelles

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08.01.2016

Bremer Hörkino geht 2016 ins zwölfte Jahr

Die Veranstaltungsreihe beginnt die Hörsaison am 3. Februar mit einem Feature von Maike Hildebrand: "Remco, der Transmann. Protokoll eines Wandels." Produziert wurde das Stück vom DLF/NDR 2015.

http://www.bremer-hoerkino.de/

08.01.2016

Artikel auf der Webseite von SRF,

Schweizer Rundfunk/Fernsehen

Menschenversuche in Münsterlingen: Wer kommt für die Folgen auf?

von Charly Kowalczyk

 

Als Entdecker des Antidepressivums war der Psychiater Roland Kuhn hoch angesehen. Jetzt steht der Verstorbene in Verdacht, an ahnungslosen Patienten und Heimkindern Medikamente getestet zu haben. Wie war das möglich? Werden Opfer entschädigt? Ein Betroffener und ein Nachfolger Kuhns äussern sich.

 

Ein Glas mit Pillen darin Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gelbe und weisse Pillen – so, wie die, die sie jahrelang schlucken mussten, berichtet ein ehemaliges Heimkind. Imago

Wir treffen uns an einer Bushaltestelle in der Ostschweiz, einige Kilometer oberhalb von St. Gallen. Guido Stierli holt mich mit seinem Lieferwagen ab. Der selbstständige Mittfünfziger heisst eigentlich anders. Er möchte anonym bleiben, aus Furcht Kunden zu verlieren, wenn seine Vergangenheit als Heimkind und medizinisches Versuchskaninchen bekannt werden würde.

Niemand kümmerte sich um die Langzeitfolgen

Sechs Jahre verbrachte Guido Stierli im katholischen Kinderheim im Kloster Fischingen, bis Ende der 1970er-Jahre. Einmal in der Woche wurden er und andere Kinder in die nahe gelegene psychiatrische Klinik nach Münsterlingen gefahren.

Es seien nur Kinder gewesen, deren Eltern nicht in der Lage waren, sich für sie einzusetzen. Jahrelang mussten sie Tabletten schlucken, Psychopharmaka. «Wir haben die gelben und weissen Pillen nicht unter dem Tisch verschwinden lassen können», sagt Stierli heute, «darauf haben die Nonnen sehr genau geachtet.»

Mit Folgen für sein Leben: «Wenn ich eine Kopfwehattacke habe, ist mir alles gleich, was rundherum passiert. Ich fahre zum Beispiel Auto und sehe eine Menschengruppe. Es ist brutal, dass ich das jetzt sage: Aber mir ist völlig egal, wenn ich diese Menschengruppe umfahren würde. Ich fühle einen so starken Schmerz, bin so apathisch», erzählt Stierli. Auch andere Heimzöglinge, an denen in Münsterlingen Medikamente getestet wurden, leiden bis heute an Kopfschmerzen, Panikattacken, Bluthochdruck und anderem.

Ethische Kriterien interessierten nicht

Stierli weiss erst seit einem Jahr von den Arzneimitteltests, die an ihm durchgeführt wurden. Er fand Hinweise in Akten des Kinderheims. Das hätte ihn regelrecht umgehauen. Erst jetzt könne er sich seine Kopfschmerzen erklären.

Hier, in diesem Container, wo er seine Waren lagert und wir uns zum Gespräch treffen, schreit Stierli seine Wut heraus. Die Pillen seien von Ciba-Geigy gewesen. «Keine Entschuldigung, keine Entschädigung, nichts.» Obwohl Novartis bis heute Milliarden an den Antidepressiva verdiente, die sie auch an ihm getestet hätten.

Damals gab es zwar noch kein Humanforschungsgesetz oder Ethikkommissionen. Doch es gab längst ethische Richtlinien für Ärzte und Wissenschaftler: den «Nürnberger Kodex» von 1947, später auch die Deklarationen von Helsinki (1964) und Tokio (1975), beschlossen vom Weltärzteverband. Ohne «volle Aufklärung und freiwillige Zustimmung der Versuchspersonen» sollte kein Arzt Medikamente testen. Doch weder Roland Kuhn noch die Pharmafirmen hielten sich daran – und auch nicht die kantonalen Behörden im Thurgau.

 
Die Macht unkritischer Mediziner

Als zweites bin ich mit Karl Studer in seiner Praxis in Kreuzlingen am Bodensee verabredet. Der Psychiater und Psychotherapeut war als Klinikdirektor in Münsterlingen Nachfolger des 2005 verstorbenen Roland Kuhn. Er hat die Arzneimittel-Experimente seines Vorgängers nie in Frage gestellt.

Ihn interessierte nur das Ergebnis von Kuhns Menschenversuchen: «Seitdem die Psychopharmaka existieren, sind die Kliniken leer geworden. Ich habe meine Klinik angetroffen mit 530 Patienten, 1980. Als ich pensioniert wurde, 2006, waren es noch 200. Mit den Psychopharmaka konnten viele Menschen nachher selbständig leben.»

Kann denn der Zweck die Mittel heiligen? Nein, sagt Karl Studer und lacht gequält. «Aber das hat mich nicht interessiert, wie und ob Roland Kuhn es nach den Richtlinien der Helsinki Deklaration oder nach den Richtlinien der schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaft gemacht hat. Das war seine Sache. – Wir waren froh, dass es diese Medikamente gab.»

 

Sendung zu diesem Artikel

 

Medikamentenversuche an Kindern in den 60er- und 70er-Jahren.
Passage «Ich will ein Geständnis» – Medikamentenversuche an Kindern

29.5.2015, 20:00 Uhr

In Vormundschaftsakten der psychiatrischen Klinik Münsterlingen im Kanton Thurgau finden sich Patienten-Protokolle, aus denen hervorgeht, dass in den 60er- und 70er-Jahren an Kindern Psychopharmaka getestet wurden.

 

Link

06.10.2015

6. Oktober 2015 um 19.05, ORF 1

Menschenversuche

Wie viel Skrupel braucht die Forschung?

von Eva Schindele und Charly Kowalczyk

Zum ORF

21.08.2015

Nominiert für den Medienpreis der Kindernothilfe 2015

"Ich will ein Geständnis"

Medikamentenversuche an Kindern in der Schweiz (DLF, WDR, BR, 2014)

Zu den Nominierten

01.07.2015

Samstag, 25.07.2015, um 18.05 Uhr, Deutschlandradio Kultur

"Das Ehebruchskind"

Geschichte um ein Millionenerbe

Regie: Friederike Wigger

Produktion: NDR 2014

Pressetext

Domenica ist ein Wunschkind. Obwohl ihre Eltern mit anderen Partnern verheiratet sind und Kinder haben, lieben sie sich neun Jahre lang. Als das Mädchen vier Jahre alt ist, geht der Vater. Der Schweizer Fabrikant will von seiner unehelichen Tochter nichts mehr wissen. Für die Mutter, eine Dolmetscherin aus Hamburg, ist Domenica Ausdruck ihrer enttäuschten Liebe. Während die Eltern vor Gericht um Vaterschaft und Unterhalt streiten, bleibt ein einsames Kind zurück. Der Vater will verhindern, dass Domenica einen Teil seines Vermögens erbt. Als er 2004 stirbt, hinterlässt er ein Millionenerbe. Die Schweizer Familie teilt es unter sich auf. Acht Jahre später beginnt die heute 50-jährige Domenica zu kämpfen, erhebt Klage gegen ihre Halbgeschwister, fordert die Gleichbehandlung von ehelichen und nichtehelichen Kindern und einen Anteil an den Hinterlassenschaften ihres Vaters. Domenica ist entschlossen, bis zur letzten Instanz zu gehen, wenn nötig bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

 

Zum Deutschlandfunk

14.06.2015

Dienstag, den 9. Juni, um 19.15 Uhr, Deutschlandfunk

Kinderleben im preußischen Gefängnis

Ehemalige Zöglinge des Durchgangsheim Bad Freienwalde fordern Rehabilitierung

Kinder wurden von der DDR-Jugendhilfe aus ihren Elternhäusern genommen, um sie vor familiärer Gewalt zu schützen. Ihre erste Heimerfahrung sammelten  einige dieser Kinder im Durchgangsheim Bad Freienwalde, einem ehemaligen preußischen Gefängnis. Sie waren zwischen vier und achtzehn Jahre alt. Lebten, oft monatelang, in einer Zelle, Fenster und Flure waren vergittert, das Gelände lag hinter Mauern und Stacheldraht. Täglich mussten die Kinder für benachbarte volkseigene Betriebe arbeiten, Schulunterricht gab es für sie nur an einem Tag in der Woche. Strafen gehörten zur Tagesordnung, manchewurden tagelang in isolierten Arrestzellen eingesperrt. Nun fordern die ehemaligen Zöglinge des Durchgangsheims Bad Freienwalde vor Gericht Rehabilitierung. Und - sie bitten um eine Gedenktafel am Ort des Grauens. Doch in der Brandenburgischen Kleinstadt will man lieber nicht daran erinnert werden.

 

31.05.2015

Samstag, den 30. Mai 2015, um 8.30 Uhr, SWR 2

Eva Schindele / Charly Kowalczyk

Radioakademie: Die Grenze des Erlaubten (Folge 5)

Menschenversuche

Wie viel Skrupel braucht die Forschung?

Darf man Ebola-Patienten mit ungetesteten Medikamenten behandeln? Darf man Gesunde mit nicht erprobten Wirkstoffen impfen? Seit jeher dienen Menschen als Versuchskaninchen.

Link

 

31.05.2015

Freitag, 29.5.2015 um 20:00 Uhr mit Wiederholung am 31.5.2015

Schweizer Rundfunk, SRF 2, Sendereihe "Passage"

"Ich will ein Geständnis"

Medikamentenversuche an Kindern in der Schweiz

http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/menschenversuche-in-muensterlingen-wer-kommt-fuer-die-folgen-auf

12.05.2015

Mittwoch, 6. Mai 2015, 10.05 - 10.30 Uhr, SWR 2 Tandem

"Die Kirche soll mich fürchten!"

Walter Nowak verlangt Rechenschaft für seine Kindheit

Pressetext

Walter Nowaks Mutter war Alkoholikerin, seinem Vater wurde alles zu viel und er gab Walter im Alter von sechs Jahren in das Kinderheim des katholischen Klosters in Fischingen im Schweizer Kanton Thurgau. Dort wurde das Kind jahrelang von einem Pater sexuell missbraucht. Als Erwachsener  trieb er Extremsport, verletzte sich dabei lebensgefährlich am Rücken – wurde arbeitsunfähig. Warum war ihm sein Leben so wenig wert? Erst Jahrzehnte später beginnt Walter Nowak zu kämpfen. Von nun an gibt er keine Ruhe mehr, will, dass die Kirche endlich Verantwortung übernimmt.

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tandem/swr2-tandem-die-kirche-soll-mich-fuerchten/-/id=8986864/did=15281212/nid=8986864/9wj0i1/index.html

08.04.2015

Zum Nachhören

HR 2, Sonntag, den 12. Apil 2015, 18.05 - 19.00 Uhr

"Ich will ein Geständnis"

Medikamentenversuche an Kindern in der Schweiz

DLF / WDR / BR, 2014

http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=53533&key=standard_document_53389501


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